Inhalt anspringen
Skip NavigationMenü

Tourismusfrühstück „35 Jahre Friedliche Revolution“

©© Andreas Schmidt/LTM

Das Tourismusfrühstück der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM) ist ein etablierter, regelmäßiger Treffpunkt für die Branche. Am 24. April 2024 stand es unter dem Thema „35 Jahre Friedliche Revolution: Welche Spuren können Leipzigs Gäste heute erkunden?“ In der historischen Atmosphäre der Moritzbastei verfolgten rund hundert touristische Multiplikatoren und Medienschaffende das Podiumsgespräch, das von Dr. Helge-Heinz Heinker moderiert wurde, und brachten auch zahlreiche Fragen und Anregungen in die Diskussion ein.

Zeitzeugen der Friedlichen Revolution sprechen beim Tourismusfrühstück

Unter den Teilnehmenden des Podiums war auch der Journalist Siegbert Schefke, der zunächst den Fokus auf den 9. Oktober 1989 lenkte. Er erinnert sich an die Stimmung im Herbst 89 in der DDR: „Wenn etwas passiert, dann passiert es in Leipzig.“ Das war Schefke klar, denn bereits zur Herbstmesse 89 war er mit Aram Radomski in Leipzig mit der Kamera unterwegs und hatte im September Aufnahmen der ersten Montagsdemos gemacht und gespürt, dass hier viel in der Luft lag. Nun waren sie am 9. Oktober wieder in Leipzig, um Bilder von der Montagsdemonstration einzufangen.

Der erste avisierte Drehort, das Wintergartenhochhaus, war nicht realisierbar. Zu viel Stasi im Haus. Also weiter entlang am Ring, zur Evangelisch-reformierten Kirche. Ziel: Der Kirchturm als Drehort. Dort allerdings zunächst nur Taubenkot – und kein Schlüssel.

Friedliche Revolution: Bilder aus Leipzig gingen um die Welt

Aber dann – Bilder aus Leipzig, die um die Welt gingen. Oder wie Schefke sagt: „Der Rest ist Geschichte.“ Schefke klingt auch nach 35 Jahren noch fast ein bisschen ungläubig, wenn er auf die Dynamik der Ereignisse von 89 blickt und resümiert: „Vom 9. Oktober zum 9. November – in 30 Tagen zum Totalschaden einer Diktatur“.

Wie der vielstimmige politische Diskurs schließlich kurz und prägnant seinen Weg auf die Straße und die berühmten Parolen „Keine Gewalt“, „Demokratie jetzt oder nie“ oder auch „Wir sind das Volk“ fand, fasziniert Stephan Bickhardt, Evangelische Akademie Sachsen, Bürgerrechtler und Mitbegründer der Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“ bis heute. Dieser Ruf nach Demokratie sei heute wichtiger denn je, bestätigt auch Michael Kölsch von der Stiftung Friedliche Revolution, genauso wie das Bedürfnis nach Freiheit und Freiheiten – und deren Wertschätzung.

Titelseite einer Ausgabe der Leipziger Volkszeitung vom 9. Oktober 1989©© Jutta Amann/LTM

Die Leipziger Volkszeitung vom 9. Oktober 1989. Moderator Heinker hatte das achtseitige Zeitdokument im privaten Archiv und zum Tourismusfrühstück mitgebracht.

Herbst 89 aus touristischer Sicht: Gästeführer als Erinnerungslotsen

Wie kann man heute das Thema Friedliche Revolution (touristisch) kommunizieren? Es braucht Kontextualisierung, da waren sich die Direktorin des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig, Dr. Uta Bretschneider, und Gästeführerin Anna-Sylvia Goldammer im Podium einig, es braucht Einordnung und Erklärung, um aus dem Interesse am Thema auch Wissen erwachsen zu lassen. Dies gelingt zunehmend, aber noch sei „Luft nach oben“. Und es braucht auch Emotion.

Daraus resultiert vermutlich auch der Wunsch vieler Leipzig-Touristen, einen geführten Rundgang zu buchen, weil sie einen Menschen an ihrer Seite haben möchten, einen Leipziger, der persönliche Erfahrungen mit ihnen teilt, so Goldammer, die gleichzeitig auch Zeitzeugin ist: „Es hat Mut gebraucht damals und da war Polizei, aber eben anders als heute, nicht um die Demonstrierenden zu schützen“.

Lichtfest Leipzig setzt Impulse für Dialog

Marit Schulz, Leiterin Lichtfest, ergänzt, dass regelmäßige Befragungen der Lichtfest-Besucher ermutigende Ergebnisse zeigen: Zwei Drittel der Lichtfest-Besucher sind unter 40, also aus der Nicht-Zeitzeugengeneration, rund 50 Prozent aller Gäste sogenannte Erstbesucher, sodass sowohl junge als auch neue Besucherkreise erschlossen werden können durch das niedrigschwellige Format: kostenlos, im öffentlichen Raum, künstlerisch, partizipativ.

„Wir wollen die Friedliche Revolution nicht erklären, sondern sie als Thema in den Raum stellen und so einen Impuls für Nachfragen und Dialog geben“. Das diesjährige Lichtfest Leipzig findet anlässlich 35 Jahre Friedliche Revolution am 9. Oktober entlang des Innenstadtrings statt und wird rund 20 nationale und internationale Lichtprojekte zeigen. Das Programm wird derzeit präzisiert und Ende August vorgestellt. Darüber hinaus hat Leipzig den großen Vorteil der vielen authentischen Orte im Stadtraum, sodass sowohl Leipzigerinnen und Leipziger als auch Gäste die Möglichkeit haben, zufällig, quasi „im Vorbeigehen“ mit dem Thema in Kontakt zu kommen, zum Beispiel an einer der vielen Infostelen. Aber natürlich auch beim Besuch der Nikolaikirche und des Nikolaikirchhofs. Oder, besonders ungezwungen, in der „89-Bar“ des am Platz gelegenen Hotels, so Schulz. Es gelte, mit dem vorhandenen Pfund zu wuchern.

©© Jutta Amann/LTM

Großes Interesse beim Tourismusfrühstück der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH in der Moritzbastei.

Tipp für Kinder – interaktiver Stadtrundgang mit dem Theater der Jungen Welt

Einen ganz besonderen Ansatz, das Thema auch Kindern ab acht Jahren zu vermitteln, wählt das Theater der Jungen Welt: Ausgehend von Hanna Schotts Kinderbuch „Fritzi war dabei. Eine Wendewundergeschichte“ gibt es für Teilnehmer ab acht Jahren einen theatralen Stadtrundgang aus Kinder-Perspektive zu den Leipziger Schauplätzen der Friedlichen Revolution 1989. Die Teilnehmenden treffen auf Fritzi, machen Sound-Zeitreisen, werden selbst aktiv und erfahren, wie viel Mut und Entschlossenheit die Menschen 1989 aufgebracht haben, um eine große gesellschaftliche Veränderung zu bewirken. Premiere ist am 3. Mai, mehr Infos sowie Termine für Mai und Juni gibt es hier. Auch im September und Oktober wird es Termine geben, verspricht Rudi Piesk vom Theater der Jungen Welt.



Autorin: Sandra Ignatzy
Leipzig Tourismus und Marketing GmbH · Projektmanagerin Imagekommunikation
S.Ignatzy@ltm-leipzig.de · Telefon: 03417104356
BEITRAG VOM:
30. April 2024

Kategorien:
Allgemein


Als PDF speichern
Seite Teilen Über:
Kommentare einblenden Kommentare ausblenden

Keine Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


Weitere Artikel



Staatsministerium für Wissenschaft, Kutlur und Tourimus - Freistaat Sachsen Sachsen. Land von Welt. Landestourismusverband Sachsen

Impressum  ·   Datenschutzerklärung  ·   Barrierefreiheit  ·   Login
Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.