Ein nachhaltiges Lieferantenmanagement ist auch im Tourismus von zentraler Bedeutung, da die Qualität und Verlässlichkeit von Partnern direkten Einfluss auf das Gästeerlebnis haben. Ob Hotellerie, Gastronomie oder Freizeiteinrichtung – ein strukturiertes Management der Lieferketten sorgt für:
Wer als Touristiker Lieferantenbeziehungen aktiv gestaltet, sichert sich Wettbewerbsvorteile, steigert die Kundenzufriedenheit und trägt zu einer verantwortungsvollen, zukunftsorientierten Tourismusentwicklung bei.
Doch wie optimiert man Einkauf und Beschaffung im Sinne eines nachhaltigen Lieferantenmanagements im eigenen Betrieb?
©© TMGS & LTVIm ersten Schritt geht es darum, sich bewusst zu machen, mit wieviel Lieferanten insgesamt zusammengearbeitet wird und welche davon die wichtigsten sind. In der Branche werden vielfältige Waren benötigt – langlebige Güter (z. B. Mobiliar, Elektrogeräte), Verbrauchsmaterialien (z. B. Reinigungsmittel, Papier) sowie begrenzt haltbare Produkte (z. B. Lebensmittel). Dabei hilft eine einfache Übersicht mit Lieferanten und deren Produkten sowie der entsprechende Jahresumsatz. Den Umsatz erhält man entweder aus dem Warenwirtschaftssystem oder den einzelnen Rechnungen bzw. den Übersichten des Großhändlers. Hier geht es vor allem um die Priorisierung. Idealerweise startet man mit den wichtigsten Lieferanten nach Umsatz, z.B. mit den 20%, die 80% des Umsatzes ausmachen.
Im zweiten Schritt wird zwischen einer Bewertung des Lieferanten selbst unterschieden, also der Organisation und den Produkten. Lieferanten können zu den wichtigsten Themen befragt oder eine eigene Bewertung auf der Basis von verfügbaren Informationen (z.B. Geschäfts-, Nachhaltigkeitsbericht) vorgenommen werden. Natürlich kann man die wichtigsten Lieferanten, sofern sie in der Nähe liegen, auch persönlich besuchen.
Waren eher von wenigen und möglichst nahen Lieferanten zu beziehen, spart Kosten, Zeit und Verwaltungsarbeit. Neben der Regionalität sollten wir auch darauf achten, dass unsere Partner und Lieferanten unsere Werte in Bezug auf Arbeitsbedingungen, Gesundheitsschutz der Mitarbeitenden, Umweltschutz und Ressourcenschonung teilen, aber natürlich auch, dass die Qualität ihrer Produkte stimmt. Orientierung geben Siegel und Zertifikate, die transparent den Beitrag zur Nachhaltigkeit bestätigen.
Wichtige Kriterien für die ein nachhaltiges Lieferantenmanagement sind:
Sicher ist es nicht möglich, von heute auf morgen die komplette Lieferkette umzustellen, aber über regionale Netzwerke können Sie sich auch mit anderen Betrieben zusammenschließen, denen ein nachhaltiger Einkauf am Herzen liegt.
Wenn die Lieferanten als Organisation bewertet wurden, kann noch eine Ebene tiefer gehen und die Produkte selbst bewerten. Dabei geht es unter anderem um die Eigenschaften oder Produktzertifizierungen. Bei der Bewertung helfen unter anderem die folgenden Fragestellungen, die Nachhaltigkeit von Produkten zu bewerten:
Bei der Bewertung bieten bekannte Label eine gute Orientierung. Im Lebensmittelbereich haben sich das EU Bio Label, das deutsche Bio Siegel, demeter Anbauverband, Bioland oder Naturland etabliert. Fisch kann z.B. MSC (Marine Stewardship Council) zertifiziert sein, Fleisch kann unterschiedlichen Haltungsformen (1-4), welche die Tierwohlinitiative entwickelt hat, entstammen. Auch Weine können mit dem ecovin Label des Bundesverband Ökologischer Weinbau e.V. gekennzeichnet werden, wenn sie aus kontrolliert ökologischem Anbau entstammen.
Sinnvoll ist es, für den eigenen Betrieb klare und transparente Einkaufskriterien festzulegen und Lieferanten und deren Produkte zu bewerten. Wenn diese Kriterien keine klaren „Ja“ oder „Nein“-Kriterien sind, hilft es, eine subjektive Einschätzung, z.B. auf einer Skala von 1 bis 10, vorzunehmen. Ein Beispiel dazu: Wie ist die Qualität des Produktes und die Liefertreue? Dies kann meist nur subjektiv bewertet werden. Produkte sollten qualitativ hochwertig und nachhaltig sein sowie wirtschaftlich zum Betrieb passen.
Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) verpflichtet Unternehmen dazu, ihre Lieferketten auf Risiken in Bezug auf Menschenrechtsverletzungen, Umweltverschmutzung und Arbeitsbedingungen zu überprüfen und entsprechende Maßnahmen zur Prävention und Abhilfe zu ergreifen.
Die CSDDD (Corporate Sustainability Due Diligence Directive) ist eine EU-Richtlinie, die große Unternehmen verpflichtet, Menschenrechts- und Umweltrisiken in ihren Wertschöpfungsketten zu identifizieren, zu verhindern und zu mindern. Ziel ist, dass Unternehmen nachhaltig handeln und sich für Klimaneutralität einsetzen. Die Richtlinie sieht eine schrittweise Einführung vor, je nach Unternehmensgröße und Umsatz, und tritt voraussichtlich ab 2028 in Kraft. Sie ergänzt bestehende Regelungen wie das deutsche Lieferkettengesetz (LkSG) und schreibt eine zivilrechtliche Haftung bei Verstößen vor.
Konzept: Verpflichtung der Überprüfung der Lieferketten von Unternehemen auf Auswirkungen hinsichtlich Umweltbelastung und Menschenrechtsverletzungen
Inhaltliche Grundlage: Menschenrechts- und Umweltsorgfaltspflichten sowie Vorgaben für einen Klimaplan, wie:
Strategien & Prozesse: Einführung von Risikomanagement-Systemen, Beschwerdemechanismen und regelmäßige Berichterstattung
Mögliche Sanktionen: Kombination aus behördlicher Kontrolle, einschließlich Bußgeldern und zivilrechtlicher Haftung
Gültigkeit:
Verstärkte Anforderungen durch Geschäftspartner
Nachhaltigkeits- und Qualitätsnachweise
Risikomanagement in touristischen Lieferketten
Kunden- und Markterwartungen
Langfristige Chance