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Energiekrise: Handlungsoptionen für die Tourismusbranche

©© LTV SACHSEN / Fotolia

Energiekrise: Was tun?

Am 15.12.2022 wurden im Bundestag die Energiepreisbremsen (Gas/Wärme und Strom) beschlossen. Das Gesetz gilt aktuell bis 30.4.2023, eine Verlängerung über 2023 hinaus ist abhängig vom EU-Beihilferecht und der Entwicklung der Energiesituation. Konkret gibt es Entlastungsbeträge auf ein bestimmtes Kontingent der bisherigen Energieverbräuche für Gas, Wärme und Strom im definierten Förderzeitraum, monatlich verrechnet durch den Energieversorger. Bei Fördersummen über 2 Mio. Euro greifen ein komplexes EU-Beihilferecht und weitere Vorgaben. Mitte Dezember 2022 verzeichnen die Füllstände der Gasspeicher in Deutschland eine Abwärtstendenz infolge geringerer Einsparungen und steigender Exporte.

Die Energiekrise macht eine ohnehin schwierige Situation für die deutsche Tourismuswirtschaft derzeit noch akuter. Seit Beginn der Corona-Krise im März 2020 verzeichnet die Branche enorme Umsatzverluste und konnte seither das Niveau aus Vor-Corona-Jahren nicht mehr erreichen. Der Arbeits- und Fachkräftemangel ist ein großes Problem, die finanzielle Lage vieler Betriebe ist angespannt, Rücklagen bald aufgebraucht. Dazu kommen Inflation, gestörte Lieferketten – und nun auch noch steigende Energiepreise.

Was das für die Tourismusbranche bedeutet, ist schwer abzuschätzen. Es gibt viele Fragen, Unsicherheiten und auch Existenzängste. „Den Unternehmen fehlt derzeit eine Perspektive“. Mit diesen Worten eröffnete Manfred Böhme, Direktor des LTV SACHSEN die Veranstaltung „Energiekrise: Was tun? – Handlungsoptionen für die Tourismusbranche“. Gemeinsam mit Experten diskutierte der LTV SACHSEN Trends und Entwicklungen aus Sicht der Wirtschaft und eines Energieversorgers. Darüber hinaus lieferte das online und im Internationalen Congress Center Dresden veranstaltete Event viele praktische Impulse hinsichtlich Energie-Einsparpotenzialen und Möglichkeiten zur Kostensenkung.

Dr. Axel Cunow, Vorstandmitglied der Sachsen Energie AG, ordnete das Thema mit aktuellen Zahlen zur Entwicklung des Energiemarkts ein. Entscheidend sind die kurz- und langfristigen Maßnahmen der Bundesregierung zum Ausgleich wegfallender Bezugsquellen und zur Unterstützung von Wirtschaft und Verbrauchern. Experten diskutieren verschiedene Szenarien, wie der Krise begegnet werden könnte. Dazu braucht es Mut, manchmal unbequeme Entscheidungen, auch das Überwinden bürokratischer Hürden, besonders aber eine Auseinandersetzung zum Stellenwert und den Perspektiven kritischer Infrastrukturen in Deutschland.

Die Energiepreisentwicklungen für Gas und Strom haben für viele Unternehmen existenzgefährdende Ausmaße angenommen. Benjamin Endtmann vom Institut für Mittelstands- und Regionalentwicklung GmbH (imreg) erläuterte eine Blitzumfrage von Oktober 2022 zu den Abhängigkeiten der Wirtschaft von verschiedenen Energiequellen. Fast alle Firmen sind demnach auf Gas angewiesen – einem Viertel der Unternehmen droht sogar ein Produktionsstillstand bei Engpässen. Dieses Szenario ließe sich auch gut auf die Tourismusbranche übertragen. Die Vereinigung der sächsischen Wirtschaft kritisiere bereits seit September die viel zu spät geführte Diskussion zur Gaspreisbremse. „Aufgrund des späten Einsatzes sind die positiven Auswirkungen einer Gaspreisbremse voraussichtlich erst ab März 2023 für Kunden spürbar.“ Der Experte schloss eine kritische Bewertung der Maßnahmen zur Einführung der Gaspreisbremse an und stellte Vor- und Nachteile unterschiedlicher Ansätze dar. Diskutiert wurden Handlungsprämissen für die Akteure aus Politik, Energieversorgung und Wirtschaft sowie für Privathaushalte.

Bereits weit vor der Energiekrise fiel der Blick auf die Entwicklung der Zahlen für Jens Ellinger oft ernüchternd aus. „Bei uns war der Schmerz durch die hohen Kosten schon vor Jahren groß“, sagt der Geschäftsführer des Elldus Ressorts Oberwiesenthal. Für Strom und Wärme gab das Unternehmen viel Geld aus. „Es waren betriebswirtschaftliche Gründe, die dazu führten, dass wir uns frühzeitig mit Energiekonzepten auseinandergesetzten.“ Fest an Ellingers Seite ist seitdem der Berater Dr. Thomas Freitag vom Steinbeis-Transferzentrum für Energie- und Umwelttechnik. Das Ziel war klar: In Zukunft soll das Elldus Ressort unabhängig von Entwicklungen auf dem Strom- und Gasmarkt agieren.

Eine Vision, die im Hotel & Spa Haffhus in Ueckermünde schon seit 2018 Realität ist. Davon erzählte in der Gesprächsrunde Dirk Klein, dortiger Manager für Nachhaltigkeit & Digitalisierung. „Die ersten Ideen entstanden bereits 2014“, erinnerte er sich. „Uns war damals klar, dass wir nicht so weitermachen können wie bisher.“ Wenige Jahre später kappte das Unternehmen die Verbindung zum öffentlichen Netz. Eine Million Euro wurde zuvor in die Energietechnik investiert. Für Strom und Wärme sorgen seitdem unter anderem eine Solaranlage, Blockheizkraftwerke‚ Hackschnitzelheizung, Wärmepumpe und die Hardware für Automatisierung und Monitoring des gesamten Energiebedarfs.

Die neue Technik hätte auch zu Änderungen in den Arbeitsprozessen geführt. „Die Wäscherei läuft eben dann, wenn Energieüberschuss da ist“, schilderte er. Die Batterien der hoteleigenen E-Autos werden als Speicher genutzt und nicht erst geladen, wenn sie leer sind. Die Saunen im Spa wärmt die Solaranlage vor. Solch eine Transformation brauche auch Veränderungswillen bei der Mitarbeiterschaft.

In Oberwiesenthal ist man auf einem guten Weg. In einem ersten Schritt analysierte Thomas Freitag umfänglich, wann, wo und wie viel Energie im Elldus Ressort verbraucht wird. Neben Blockheizkraftwerken und einer Photovoltaikanlage machten er und Ellinger sich auch über andere Alternativen Gedanken. „In einem nächsten Schritt wollen wir das Elldus Ressort auch vom Gas unabhängig machen“, erklärte der Energieexperte. Es brauche den ganzheitlichen Blick, um individuelle Lösungen zu finden.

Jens Ellinger ist indessen guter Dinge. Für mögliche Preissteigerungen in den kommenden Jahren fühle er sich gewappnet. „Wir kennen unsere Kosten genau, das gibt Planungssicherheit.“ Er hofft, dass der Weg seines Unternehmens auch Beispiel für andere Hotels sein kann. Bisher fragten Kollegen aber noch nicht bei ihm an. „Ich hoffe, das ändert sich“, sagt er. „Wir müssen Eitelkeiten ablegen, um uns Tipps von anderen zu holen.“ Nur so komme die Branche in Energiefragen weiter.

Wie lassen sich durch Energieeffizienz und erneuerbaren Energien Kosten langfristig senken? Zu dieser Frage hatte Tillman Zimmermann-Werner, Geschäftsführer der Sächsischen Energieagentur – SAENA GmbH, wertvolle Tipps dabei. Aktuell gäbe es attraktive Fördermöglichkeiten. Er empfahl einen persönlichen Termin bei der SAENA zum Energie- und Klimamanagement. Neben einer ersten Einschätzung energiebezogener Abläufe wird dabei auch zur Umsetzbarkeit von Schwerpunktthemen, wie etwa Klimaneutralität beraten. Verschiedene Veranstaltungsangebote der Agentur bieten außerdem eine Einführung in aktuelle Themen wie erneuerbare Energie oder Mobilität.

Durch kleine Umorganisationen im täglichen Betriebsablauf und minimale technische Maßnahmen lassen sich bis zu 20 Prozent der Energiekosten sparen. Das erklärte Dorit Rosin von der Tempus Agentur Dresden in ihrer Präsentation. Da jedes Unternehmen spezifische Wertschöpfungsprozesse hat, sind Einsparpotenziale individuell ausfindig zu machen. Wichtig für Firmen sei, den eigenen Lastgang nachzuvollziehen und damit zu arbeiten. Weiterhin empfahl sie eine Energieberatung sowie die Nutzung eines Energieeffizienzsystems, das durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle mit bis zu 40 Prozent gefördert wird.

Wenn Sie die Veranstaltung verpasst haben oder Ihr Wissen auffrischen möchten, finden Sie hier die vollständige Playlist der Veranstaltung:


Weiterführende Informationen, Checklisten & Infos zu Energie-Audits:

DEHOGA-Energiekampagne

Allg. Infos

Alle Leitfäden/ Checklisten



Autor(in): Ana Tovar
Landestourismusverband Sachsen e.V. · Mitarbeiterin Qualität, Innovation & Digitales
tovar@ltv-sachsen.de · Telefon: 0351 49191-18


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