Was haben Erdbeeren und Bürokratie gemeinsam?
Was haben Erdbeeren und Bürokratie gemeinsam?
Eine Handvoll ist gut. Der ganze Korb wird irgendwann anstrengend.
Genau darüber wurde bei der gemeinsamen Sitzung der sächsischen Tourismusausschüsse im Karls Erlebnis-Dorf Döbeln diskutiert. Vertreterinnen und Vertreter aus Tourismus und Gastgewerbe aus drei sächsischen Kammerbezirken kamen mit Eike Döblitz, kommissarischer Abteilungsleiter im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus, zusammen, um über die Herausforderungen zu sprechen, die viele Betriebe täglich beschäftigen. Im Mittelpunkt: Bürokratieabbau.
Die Tourismusausschüsse bringen dabei regelmäßig Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Praxis zusammen, um aktuelle Herausforderungen und konkrete Lösungsansätze für die Branche zu diskutieren.
Die Hinweise aus der Praxis waren entsprechend konkret. Diskutiert wurden unter anderem Ansätze zur Modernisierung der Lebensmittelhygiene, schnellere Genehmigungs- und Bauverfahren sowie eine Förderpolitik, die einfacher, digitaler und verlässlicher funktioniert. Von der Anerkennung digitaler HACCP-Systeme über längere Prüfintervalle für nachweislich zuverlässige Betriebe bis hin zu verbindlichen Bearbeitungsfristen bei Förderanträgen reichten die Vorschläge.
Dass pragmatische Lösungen möglich sind, zeigte auch das Beispiel von Karls Erlebnis-Dorf in Döbeln. Oberbürgermeister Sven Liebhauser und Unternehmensvertreterin Jessica Gerlach erläuterten, wie bauliche und verkehrliche Erschließung sowie der Umgang mit archäologischen Funden in vergleichsweise kurzer Zeit umgesetzt werden konnten. Ein Praxisbeispiel dafür, was möglich ist, wenn Verwaltung, Politik und Unternehmen gemeinsam an einem Strang ziehen.
Deutlich wurde in der Diskussion auch: Es geht nicht darum, Standards abzusenken oder notwendige Regeln infrage zu stellen. Es geht darum, Verfahren praxistauglicher zu gestalten, Doppelstrukturen abzubauen und dort Freiräume zu schaffen, wo sie gebraucht werden.
Am Ende ging es deshalb nicht um Erdbeeren, sondern um Freiräume. Freiräume für Investitionen, für Gastfreundschaft und für unternehmerisches Handeln. Gute Ideen für weniger Bürokratie liegen längst auf dem Tisch. Jetzt kommt es darauf an, daraus konkrete Erleichterungen für die Betriebe zu machen.
Denn jede Stunde, die nicht in Formulare, Nachweise oder langwierige Verfahren fließt, schafft mehr Zeit für Gäste, Mitarbeitende und die Weiterentwicklung touristischer Angebote. Wenn Betriebe mehr Zeit für Gastfreundschaft und Unternehmertum haben, profitiert davon der gesamte Tourismusstandort Sachsen.